„Gehirntumor“ und „Mandelentzündung“ - Mein Bericht (basierend auf einer Mitschrift) über das leider gescheiterte Gespräch mit Volkhard Knigge (Leiter der Gedenkstätte Buchenwald)

Nachdem der Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, Volkhard Knigge, im Nachgang zu meinem dortigen Besuch, inzwischen mehrere verschiedene Versionen des Gesprächs verbreitet und - was insbesondere vor dem Hintergrund des Stiftungszweckes, an den auch er gebunden ist, sehr verwundert - behauptet hat, er hätte mich und die AfD „entlarvt“, was auch sein und das „Ziel“ anderer („unser“, wen auch immer er meinte) gewesen sei, hier nun die Schilderung des tatsächlichen Hergangs: 

 

Um mich über die Arbeit und Ergebnisse der Arbeit, Finanzierungsfragen und Wünsche an die Politik zu informieren, aber auch, um das Gelände zu besichtigen, besuchte ich - als Bundestagsabgeordneter, in dessen Wahlkreis Buchenwald liegt - am 8. August 2018 die Gedenkstätte. Anlässlich dieses Besuchs sollten Fragen, die den Besuchsort betreffen, erörtert werden, wie es für die Tätigkeit eines Bundestagsabgeordneten in „seinem“ Wahlkreis üblich ist. Dem Treffen lag eine Anfrage von mir aus dem April 2018 zugrunde, die erst nach etwa einem Monat beantwortet worden war. Kurz danach fragte ich nach der Möglichkeit einer Verlegung wegen einer Terminkollision und der Ferienzeit; diese Bitte wurde umgehend von der Stiftung zurückgewiesen, sie bestand auf den 8. August 2018 als - angeblich - einzig möglichem Termin. Im Gespräch konnte es dann leider zu keinem fachlichen, die Stiftungsarbeit betreffenden Austausch kommen. Warum? Ich erläutere das:

 

Herr Knigge, der schon einen Tag zuvor die Presse über seinen umfangreichen persönlichen Fragenkatalog an mich informiert hatte, bestand darauf, Fragen zu seiner und der Stiftungsarbeit erst nach einer Art „Gesinnungsprüfung“ beantworten zu wollen. Ich sollte mich zwingend vorab zu Äußerungen von einigen Mitgliedern der AfD positionieren, was ich selbstverständlich ablehnte und auch nicht tat. Als Abgeordneter des Deutschen Bundestages, der zumal kein Parteiamt innehat, bin ich dafür schlicht der falsche Ansprechpartner, zumal auch - wie Herr Knigge eigentlich wissen sollte - Partei-, Abgeordneten- und Parlamentsarbeit zu trennen sind. Ich riet daher Herrn Knigge, direkt mit den Personen zu sprechen, deren Äußerungen für ihn (er)klärungsbedürftig seien. Nachdem Herr Knigge aber keine Einsicht zeigte und darauf beharrte, unbedingt, sofort und vor allem Anderen über die AfD und eine Vielzahl derer Mitglieder (dabei ging es übrigens nicht lediglich um die Herren Gauland und Höcke, sondern auch allgemein um „Burschenschaftler“, „Mitarbeiter in Fraktionen“ und andere Personen, die ich überwiegend gar nicht kenne) zu sprechen, schlug ich ihm ein strukturiertes Vorgehen vor und regte an, zunächst konkrete Punkte aus den Programmen der AfD anzusprechen, die seiner Ansicht nach kritikwürdig seien und die seine Agitation gegen diese Partei - auch im Lichte des Stiftungszweckes nach Paragraph 2 des Stiftungsgesetzes - begründen würden. Herr Knigge konnte oder wollte aber trotz mehrfacher Nachfragen von mir keine Angaben/ Aussagen dazu machen, verweigerte das Gespräch darüber und versuchte stattdessen, mir sinngemäße Zitate zu unterstellen. Meine Fragen nach Fundstellen, Quellen, Ort, Zeit und konkreten Inhalten konnte oder wollte Herr Knigge ebenfalls nicht beantworten.

Ich konfrontierte Herrn Knigge dann mit der Tatsache, dass er offenbar keine Probleme damit habe, sich mit bekennenden Linksextremisten und Sozialisten (Benjamin Hoff) sowie Mitgliedern vom Verfassungsschutz beobachteter Organisationen (wie sie sich z. B. in der Thüringer Landtagsfraktion der LINKEN finden) zu zeigen und diese zu empfangen. Diese - nicht nur politisch - zweifelhaften Personen träfe er nicht nur öffentlich, sondern ermögliche es ihnen auch, die Gedenkstätte für öffentliche Auftritte als Bühne zu benutzen. Angesichts der Tatsache, daß an diesem Ort im sowjetischen Speziallager unter sozialistischer/ kommunistischer Ägide Tausende Menschen ermordet wurden, hielt und halte ich dies für nicht nachvollziehbar. Herr Knigge bestritt die Entwicklungslinie zwischen Sozialisten/ Kommunisten, SED und den Linken und ließ außerdem wissen, daß er die Einschätzung des Verfassungsschutzes bezüglich linksextremistischer Organisationen, in denen Mitglieder der Linken Landtagsfraktion Mitglied seien, nicht (!) teile. Auch, daß Herr Hoff (immerhin ein Thüringer Minister und Chef der Staatskanzlei) - auf sich selber bezogen - „Linksextremist“ als Ehrentitel bezeichnet hatte, spiele keine Rolle.

Dann wandte sich Herr Knigge zu meinem Erstaunen und Entsetzen auch noch gegen meine Aussage, daß „jede Diktatur – gleich ob ideologisch rot oder braun – Verbrechen und Verbrecher hervorbringt.“ Diese Aussage wäre - so Herr Knigge - vergleichbar mit der allgemeinen Feststellung, dass Krankheiten etwas Negatives seien. Ein „Gehirntumor“ (er meinte wohl die Nationalsozialisten und deren Verbrechen) sei jedoch nicht mit einer „Mandelentzündung“ (hier meinte er vermutlich die Sozialisten/ Kommunisten und deren Verbrechen) zu vergleichen. Ich fand diese Vergleiche - zumal aus dem Munde des Leiters dieser Gedenkstätte - mehr als bedenklich und unglaublich und distanzierte mich sofort davon, Millionen Tote mit einem „Gehirntumor“ und einer „Mandelentzündung“ zu vergleichen.

Da ich dieses Gespräch auf diesem Niveau nicht fortsetzen und Herr Knigge von seinen - befremdlichen - Äußerungen und Forderungen keinen Abstand nehmen wollte, beendete ich dann nach einer knappen Stunde das Treffen. Es endete ergebnislos, weil Herr Knigge sich strikt weigerte oder nicht dazu in der Lage sah, inhaltlich über die Stiftungs- und seine Arbeit zu reden. Statt konkret an fachlichen Themen zu arbeiten, äußerte er zusammenhanglos Unwahrheiten und Allgemeines, was er wohl irgendwo gehört oder gelesen hatte, wiederholte immer wieder dasselbe und „arbeitete“ dabei mit nicht belegbaren, frei erfundenen Zitaten, die er mir zuschrieb. Gleichwohl bleibe ich - wie es meine Aufgabe als Bundestagsabgeordneter ist - gesprächsbereit und biete Herrn Knigge nach wie vor gerne weitere Gespräche zur Stiftung, der Gedenkstätte und deren Arbeit an.

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